Netzwerk stärkt Innovationsketten für emissionsarme Technologien

Pressemitteilung Fraunhofer IMWS / 24.1.2019

Kohlenstoffhaltige Rohstoffe sind elementar wichtige Ressourcen für die deutsche Industrie und damit für unseren Wohlstand. Mit einer Kohlenstoffkreislaufwirtschaft soll es gelingen, diese Rohstoffe durch die enge Verbindung der Sektoren Energiewirtschaft, Chemische Industrie, Anlagenbau und Abfallwirtschaft auf nachhaltige Weise zu nutzen. Auf Initiative des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS haben Unternehmen und Forschungseinrichtungen gestern in Espenhain den ersten Anstoß zur Gründung eines nationalen Netzwerks für Kohlenstoffkreislaufwirtschaft gegeben.

© Fraunhofer IMWS

Prof. Bernd Meyer stellte die Idee für das neue Netzwerk in Espenhain vor.

Die chemische Industrie repräsentiert mit einem jährlichen Umsatz von rund 195 Milliarden Euro den drittgrößten Wirtschaftssektor in Deutschland. Sie zeichnet sich sowohl durch mehrstufige und verzweigte Wertschöpfungsketten aus als auch durch einen hohen Bedarf an kohlenstoffhaltigen Rohstoffen: Etwa 15 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr werden benötigt, um Produkte wie Kunststoffe, Klebstoffe, Schmierstoffe oder Kosmetika herzustellen. Dieser Bedarf wird zum allergrößten Teil durch importiertes Rohöl und Erdgas gedeckt und kann – anders als beispielsweise im Energie- oder Mobilitätssektor – nicht ohne Weiteres durch andere kohlenstofffreie Stoffe oder Technologien ersetzt werden. 

Die Kohlenstoffkreislaufwirtschaft eröffnet die Möglichkeit, die Rohstoffstoffversorgung der chemischen Industrie auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Kohlenstoff verbleibt dabei im System, statt beispielsweise als CO2 freigesetzt zu werden und das Klima zu belasten. Recycling und Kreislaufführung von sekundären Rohstoffen sind dabei entscheidende Faktoren. 

Aus diesem Grund hat das Fraunhofer IMWS gestern die Initialzündung für das Netzwerk für Kohlenstoffkreislaufwirtschaft (NK2) gegeben. 65 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind bei der Scholz Recycling GmbH in Espenhain in der Nähe von Leipzig zusammengekommen. Seit 2017 koordiniert das Fraunhofer IMWS das von der Fraunhofer-Gesellschaft ins Leben gerufene wissenschaftliche Netzwerk Kohlenstoffketten, dem außerdem die Fraunhofer-Institute IAP, IKTS, IWU und UMSICHT angehören. 

»Mit dem neuen Netzwerk NK2 möchten wir eine Plattform für Information, Wissensaustausch und intersektorale, aber auch internationale Vernetzung etablieren. Uns eint die Überzeugung, dass die Kohlenstoffkreislaufwirtschaft nicht nur erhebliche Vorteile für den Klimaschutz bietet, sondern auch große Potenziale für die Wertschöpfung in Deutschland«, sagt Prof. Dr. Bernd Meyer, Leiter des Geschäftsfelds Chemische Umwandlungsprozesse am Fraunhofer IMWS und Direktor des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen an der TU Bergakademie Freiberg, der das Netzwerk leiten wird. 

Neben der chemischen Industrie spielt die Abfallwirtschaft als Rohstofflieferant für das chemische Recycling eine zentrale Rolle. »Das seit Januar gültige neue Verpackungsgesetz soll Plastikmüll vermeiden und schreibt höhere Recyclingquoten vor. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Branche. Auch die Unternehmen aus der Chemiebranche suchen nach CO2-armen Produktionsverfahren und klimaschonenden Produkten. Die Sektorkopplung ist der Schlüssel dazu«, betont Meyer. Außerdem sind die verarbeitende Industrie (etwa der Automobilbau), die Leichtbauindustrie (Carbonfaser-Abfälle) und der Sektor Erneuerbare Energien (beispielsweise faserverstärkte Kunststoffe aus Windkraftanlagen) involviert. Sie alle können sekundäre Kohlenstoffquellen bereitstellen. Auch bietet sich die heimische Braunkohle als wichtige primäre Kohlenstoffquelle und Partner des chemischen Recyclings an. 

Im Rahmen dieses ersten sektorübergreifenden Netzwerks zum Thema Kohlenstoff sollen in Workshops, Schulungen und Konferenzen neue Entwicklungen zur effizienten, nachhaltigen und wirtschaftlichen Gestaltung einer Kohlenstoffkreislaufwirtschaft, aber auch für eine nachhaltige Gestaltung des Strukturwandels in den Braunkohleregionen vorgestellt und diskutiert werden. Im Vordergrund stehen innovative CO2-emissionsarme Technologien für die chemische Nutzung heimischer Kohlenstoffträger, das chemische Recycling von Abfällen und die Einkopplung von regenerativem Wasserstoff und/oder regenerativem Strom sowie die Erzeugung von kohlenstoffhaltigen Wertprodukten. Das Netzwerk wird dabei die gesamte Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zur großtechnischen Anwendung abdecken.